Direkt zum Hauptbereich

Woche 26 - Bergfest

Ein kleines Vorwort...

Meine Gedanken schreibe ich Tag für Tag auf. Das hier ist die kleinere, verkürzte und digitale Version meines Naturtagebuch. Allerdings gibt's hier Fotos zu sehen. Die Texte korrigiere ich im Laufe der Woche nur marginal. Vielleicht gefällt es dir ja und ich ich würde mich über dein Feedback freuen. 

Ein halbes Jahr Windie. Ein halbes Jahr mit tiefer Naturverbindung, kleinen und großen Veränderungen. Es ist schon crazy, wie die Ausbildung bei mir wirkt. Vom interessierten: "Mal schauen, was passieren wird.", über vielfaches Erstaunen bis zu: "Ich mag eigentlich nichts anderes mehr machen.", war in dem halben Jahr alles dabei. Ich habe auch im Moment keine Ahnung davon, was im nächsten halben Jahr noch alles kommen mag und passieren wird. Aber ich bin sehr dankbar für die bisherige Zeit.

Die Woche startete wie gewohnt mit der "Art der. Woche", die für mich sinnbildlich für Ausdauer und Geduld steht. Stehend am Ufer, im Flachwasser oder auf der Wiese, regungslos auf Beute wartend und dann noch im richtigen Moment hellwach zu sein, um im Bruchteil von Sekunden blitzschnell agieren zu können. Graureiher finde ich wirklich spannend und ich mag sie sehr. 

Eine Spielidee zum Thema werde ich mit meinen Kids und Teens im Training ausprobieren und schauen, wie es ankommt.

Ein kleiner Hinweis: mein Smartphone, mit dem ich die Fotos mache, gibt so langsam den Geist auf und die Qualität der Bilder lässt sehr zu wünschen übrig. Aber letztendlich geht's mir um die Eindrücke und nicht so sehr um die Details. Falls du eine digitale Kamera über hast, die mit einer deutlichen besseren Qualität daherkommt und bei dir verstaubt, dann hast du mit mir einen dankbaren Abnehmer gefunden. 

Montag: Sitzplatzroutine und Wandering. Ich durfte einen Rehbock im städtischen Wald, unweit eines stark frequentierten Weges, auf dem auch viele Menschen mit ihren Hunden unterwegs sind, beobachten und ein Kleiber lief quasi direkt vor mir einige Meter einen Baum hinab. Der Aufenthalt in der Natur beruhigt mich ungemein und gibt mir in unsicheren Zeiten festen Halt.

Sitzplatz und Eulenblick. 

Dienstag: Ich habe aus zeitlichen Gründen einen alten Sitzplatz besucht, um zu meditieren und wurde auf dem Weg mit einem Blick auf ein Schwarzspecht Männchen beschenkt, der auf einem liegenden Baumstamm nach Insekten suchte. Einige Zeit später, inmitten meiner Meditation, hörte ich einen zweiten Schwarzspecht, öffnete die Augen und sah beide Tiere. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen durfte ich eine Paarung der Schwarzspechte beobachten. Um meinen alten Sitzplatz herum waren, wie bereits im letzten Jahr tausende Märzenbecher zu sehen, die neben dem Bärlauch den gesamten Waldboden bedeckten. Ein wunderbarer Platz, leider von zu vielen abgestorbenen riesigen Eschen umgeben, die ein gewisses Risko mit sich bringen entweder von abbrechenden Ästen oder umstürzenden Bäumen erschlagen zu werden. In diesem Waldstück schaue ich viel in die Kronen der Bäume und bin besonders aufmerksam. Den Spechten gefällt diese Waldstück hier sehr gut.

Mein persönlicher Abenteuerspielplatz im Auwald. Über umgestürzte Bäume von einem Ufer ans nächste gelangen. 

Leberblümchen, Bärlauch und Märzenbecher

Mittwoch: Spontaner Arbeitsausfall. Diesmal wegen einem kurzfristig ausgerufenen Streik. An solchen Tagen verdiene ich kein Geld. Früher hatte mich das aufgeregt und ich hatte den Job geschmissen. Alles Ärgern nützt nichts, also ran an die schönen Dinge. Rucksack packen und rausgehen. Am Ende des Tages konnte ich nach vielen Stunden Draußenzeit und gut 18 Kilometer Wegstrecke ganz gechillt zum Training gehen und auch noch die Kids und Teens unterrichten. 

Mein Startpunkt war der Ort Störmthal bei Leipzig und der gleichnamige Tagebausee. Davon gibt's hier in Leipzig und Umgebung reichlich. Bei all den klaffenden Wunden in der Erde für unseren vermeintlichen Fortschritt, kann ich der neu entstehenden Natur etwas abgewinnen. Es ist fast wie ein Laboratorium, in dem die Natur und ihre Kraft zeigt. Den gestalterischen Willen von uns Menschen bräuchte es eigentlich nicht. Die Umgebung meiner Stadt, aber auch die Stadt selber, ist im besonderen Maße vom Kohlebergbau und künstlich geschaffener Natur geprägt. Pflanzen, Tiere und Pilze machen sich diese Strukturen zu eigen und nutzen diese zu ihrem Vorteil, werden aber durch unseren Hang zu Ordnung, Gewohnheit und etwas Engstirnigkeit immer wieder ausgebremst. Aber zurück zu Tour. 

Karg bewachsene Erdhänge, große sumpfige Uferzonen, riesige Wasserflächen, Grasland, Weiden, Wälder in der Entstehung bieten derart abwechslungsreiche Lebensräume, dass es als angehender Naturmentor wirklich nicht langweilig werden kann. Zwischendrin gibt es immer wieder kleine bis größere Siedlungen. Nach dem Störmthaler See ging es an den Markkleeberger See und von dort aus durch den Ort Wachau und den Weinteichgraben in Markkleeberg, dann auf die Abraumhalde "Asche" über den Erholungspark Lößnig-Dölitz nach Leipzig Connewitz.

Die Sonne lockte zahlreiche Bienen, Hummeln und Schmetterlinge aus ihren Bauten. Zahlreiche Pflanzen luden zur Stärkung ein. Vor allem die Weiden und Pestwurz wurden von den Bienen begehrt. 

Am Ende der Wanderung war ich mit so vielen Eindrücken, frischer Luft und Sonnenschein geflutet, dass ich schon fast berauscht war. 

Oben links - Silbersee
Oben rechts und unten - Störmthaler See
Mitte links - Markkleeberger See. 

An manchen Stellen wirkt Leipzig sehr Dörflich, was ich sehr mag. Erkennst du auf dem Bild das Völkerschlachtdenkmal?

Die Weide ist eine spannende, vielseitige Pflanze und hat, besser gesagt hatte auch in unserer Kultur einen wichtigen Stellenwert.

Links: Pestwurz. Viel Sonne und die Böschung am Bach scheinen ein idealer Standort zu sein. Die Bienen mögen diese Pflanze auch sehr. Rechte Seite von oben nach unten: Zweiblätteringer Blaustern, Ehrenpreis und Scharbockskraut.

Blick auf die "Satellitenstadt" Leipzig-Lößnig, mit typischen DDR Plattenbau Hochhäusern. Aber durch den Park und die Wasserflächen hat hier viel Natur Einzug gehalten.

Donnerstag: Kräfte sammeln. Wir haben diese Woche noch eine längere Wanderung vor uns. Ich merke die Kilometer, die ich gestern und überhaupt in diesem Monat gegangen bin deutlich in meinem Körper. Ich bin schon jetzt über dem Pensum eines durchschnittlichen Monats angekommen und dabei hat der Monat noch elf weitere Tage. So viele Kilometer wie bisher im März, schaffe ich sonst nur im Urlaub. Jetzt sollte ich vielleicht über die Qualität meiner Draußenzeit sinnieren, aber das kompensiere ich an anderer Stelle mit unfreiwilligem Arbeitsausfall. Das ist gerade bei mir wie mit der Natur selbst - Chancen erkennen und Ressourcen nutzen. Ressource Nummer eins ist Zeit. Anstatt am Handy zu prokrastinieren, kann ich das auch draußen tun. Welche wichtigen Aufgaben ich von mir weg schiebe? Ich könnte mir einen neuen Job suchen, der mir mehr mehr finanzielle Sicherheit bieten würde. Ich könnte mich ganz stur meiner Weiterbildung widmen und Artenjournale bearbeiten, um pünktlich nach einem Jahr einen Abschluss in der Tasche zu haben. Und was mache ich? Die  Rosinen herauspicken? Ganz einfach: Lebenszeit genießen und mich praktisch mit meiner Weiterbildung befassen und die Natur vor der eigenen Haustür erfassen. Oder diesen Blog hier schreiben. Ja, den schreibe ich in erster Linie für mich selbst und der ganz leisen Hoffnung auch vielleicht für dich. Vielleicht inspiriere ich dich dazu rauszugehen, etwas genauer hinzuschauen, die Natur zu ergründen und vielleicht merkst du, wie gut es dir tut, genau das zu tun. In diesem Fall hat sich meine Ausbildung schon für dich bezahlt gemacht. Der Aufenthalt in der Natur kann deine Stress-Resilienz fördern, die Beschäftigung mit Pflanzen und Tieren andere Gedanken in dein Leben lassen, dich aufmerksamer werden lassen Bewegung im Freien könnte deinen Körper stärken und vielleicht entdeckst du ein neues Hobby - Nature Journaling zum Beispiel. Oder Wandern. Vielleicht entscheidest du dich für einen nachhaltigeren Lebensstil. Vielleicht erkundest du gemeinsam mit Freund:innen und Familie die Umgebung und ihr habt zusammen eine grandiose Zeit. Quality Time. Dein Einsatz? Essen und Trinken einpacken, den Wetterbericht checken und losgehen. So einfach kann es sein. In diesem Sinne - Danke, dass du gerade hier bist und mir einen Teil deiner Aufmerksamkeit und Lebenszeit geschenkt hast. Enjoy your Life.

Freitag: Ein klein wenig Sonne und frische Luft in der Kita tank. Einen Baum umarmen und die Blüten und Knospen bestaunen, wie sich diese in drei Tagen entwickelt haben. Nach der Arbeit noch ein Arbeitsgespräch. Alltag. Abends die Sachen packen und hoffentlich zeitig genug einschlafen. Wir werden zeitig aufstehen müssen, um mehr Zeit während der Wanderung zu haben. Vor allem für Entspannung und Zeit zu zweit. 


Samstag: 05:30 Uhr aufstehen. In einer Arbeitswoche würde ich mit allem was mein Körper hat am Bett festhalten. Mit dem Zug von Leipzig über Dresden nach Pirna und von dort aus mit dem Bus zu unserem Startpunkt unserer Wanderung. Der Malerweg wurde vor einigen Jahren als schönster Wanderweg Deutschlands gekürt. Grund genug die erste von acht Etappen anzugehen. Aus den angegebenen gut 11 Kilometer haben wir etwas mehr als 17 gemacht. Das Wetter passte und der Weg war nicht so überlaufen, wie vermutet. Zwischendrin könnten wir uns auch von der Strecke stehlen und an zwei wunderbaren Plätzen abseits der Route längere Pausen einlegen. Unsere erste Pause verbrachten wir am Waldrand unter einer kapitalen Eiche und einer grandiosen Fernsicht. Gute 30 Meter von uns entfernt durften wir zwei Rotmilanen bei der Paarung beobachten. Was für ein Glück. Und auch sonst hätten wir viele spannende Entdeckungen machen können. 

Ein Tag mit grandiosen Aussichten und Panoramen.

Die Wege waren wirklich abwechslungsreich. Je tiefer wir in die Felsschluchten kamen um so kühler würde es. Die Temperaturunterschiede waren oft auf einigen Metern Abstand deutlich spürbar.


Die erste Etappe war wirklich beeindruckend schön 

An manchen Stellen wurde es eng.

Die landgewachsenen Bäume ließen uns sehr klein wirken. Gerade im Zusammenspiel mit den Felsen wirkten einige Bäume, als würden sie den Himmel stützen.

Die kleineren Entdeckungen. Gerade die kleine Fichte beeindruckte mich durch ihren Lebenswillen. An dieser Stelle auf dem Felsen zu wachsen, scheint eigentlich unmöglich.

Rastplätze - Entspannung und Waldbaden.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Draußenzeit satt

Innerlich bin ich schon bei unserer nächsten großen Reise mitten in die Natur. Nachdem wir bereits Anfang letzten Jahres ein Wochenende in einem umgebauten Zirkuswagen verbringen konnten, ist der Wunsch gewachsen es auch mal für zehn Tage zu probieren. Uns erwarten zehn Tage in einer ländlichen Gegend im Westen von Tschechien. Unser Domizil wird ein augebauter Zirkuswagen sein, der in einem kleinen bewaldeten Grundstück abseits eines kleinen Dorfes liegt. Wir haben einen Ofen, einen Gasherd, genügend Wasser im Tank. Strom gibts aus der Powerstation und der Kühlschrank läuft übers Gas. Zwei Powerbanks werden wir zusätzlich dabei haben, da ich mit dem Smartphone navigiere, fotografiere und auch Bücher lese. Um uns herum gibts Wald und Wiese, ein paar Dörfer und die nächste größere Stadt ist 30 Kilometer entfernt. Nach meinem Geschmack ist es perfekt. Jetzt heißt es die Packliste in Gedanken durchzugehen. Auf beengten Raum brauchts bei Regenwetter Bekleidung,  die wirklich schnell tro...

Woche 44

Vorschau: Die Woche beginnt mit einem starken Wetterwechsel. Gestern waren es noch 31°, heute sind es gerade mal 20°. Das ist sehr wechselhaft. Wechseln ist auch eines der Themen der Woche. Ich habe gestern zwei meiner Instagram-Kanäle gelöscht und Facebook folgt auch noch. Dieser Block hier bleibt, weil der ist mir eine Herzensangelegenheit, denn auch Google hat es ebenfalls nicht mehr verdient, meine Daten zu bekommen. Wirklich nicht. Aber eines möchte ich betonen: ohne diese Hilfsmittel wäre ich nicht auf den Trichter gekommen, Naturmentor werden zu wollen. Mit Dankbarkeit für die vielen virtuellen Begegnungen wird es Zeit, diese alte Haut abzustreifen und andere Wege zu gehen. Und damit bin ich schon mittendrin.  Montag: Das Buch "Birding - entdecke die Wunderwelt der Vögel" kommt auch in der Kita gut an. Genauso wie das "Pilzbuch für Kids". Nach der Arbeit war an rausgehen nicht zu denken. Der Regen war einfach zu stark, um es draußen gemütlich finden zu können...

Woche 43

Vorschau: Start in die Woche mit einer neuen Art. Diesmal wieder eine Pflanze. Allerdings eine, die ich sehr mag. Als Wildkräuter ist sie wirklich ganz oft zu sehen und oft auch mitten auf dem Weg oder am Wegesrand. In der Suppe gibt sie ein Champignon ähnlichen Geschmack. Als Heilkraut gibt sie schnelle Abhilfe bei juckenden Mückenstichen und hilft auch vorzüglich bei Atemwegserkrankungen. Du kommst drauf? Mir wurde die Pflanze erst vor zwei Jahren wieder ins Gedächtnis gespült, als ich zwei Kurs der Waldakademie zum Thema Wildkräuter absolvierte. Erst vor kurzem hatte ich noch einen intensiveren Kurs ausschließlich zu dieser Pflanze und deren Verwandte belegt.  Ein weiteres Thema ist das Schnitzen. Handwerkliche Dinge mag ich sehr. Falls du ebenfals Lust aufs Schnitzen hast, dann hilft dir vielleicht die  Schnitzfiebel  von Wildniswind weiter. Ich mache hier gerne unbezahlte Werbung für Dinge, die mir gefallen und ich habe mir zwei neue Bücher bestellt. Das mache ich j...