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Woche 31 - Wer, wie, was?

Montag:  Es ist Feiertag und die Woche begann mit der Botschaft, dass mein Betreuungskind nicht da sein wird.  In den Ferien ist es nahezu unmöglich einen Ersatzjob zu bekommen. Zum Glück kann ich für diese Woche die fehlenden Einnahmen kompensieren, da ich vor dem Urlaub ein Anti Aggressionstraining geleitet hatte. Allerdings hätte ich das Geld anders ausgeben wollen und muss jetzt fehlenden Lohn damit ausgleichen.

Auf der anderen Seite habe ich mehr Draußenzeit. Ich versuche bei den positiven Dingen zu bleiben und schaffe eigenhändig im nächsten Leben den Kapitalismus ab.

Meine Wildniswind Woche startet mit Löwenzahn und dem Besuch meines Sitzplatzes, den ich kürzer Hand  auch zum Liegeplatz gemacht habe. Ich war seit zwei Wochen nicht mehr im Auwald unterwegs und bin erstaunt, wie grün alles geworden ist. Aber zurück zum Anfang. Letzte Nacht gab es Gewitter und es hat aus Kübeln gegossen. Ich habe tatsächlich mit umgestürzten Bäumen und abgerissenen Ästen im Auwald gerechnet. was sich aber in Grenzen hielt. Ich freue mich über die Platanen, die ihre Blätter raushauen und bin begeistert, wie der junge Ahorn das Unterholz begrünt. An mir fliegt eine Ringeltaube vorbei, verfolgt von einer Rabenkrähe. Der nächste Vogel, den ich sehe ist ein Buchfink und dann eine Amsel mit Nistmaterial im Schnabel. Trotz meiner Ungeduld schnell an meinen Sitzplatz zu gelangen, bleibe ich immer wieder staunend stehen.

Stehen bleibe ich auch an der Gedanktafel für die Frauen, die hier in der Außenstelle des KZ Buchenwald im Wolfswinkel Zwangsarbeit vollrichten mussten.

Am Sitzplatz angekommen spanne ich meine Hängematte auf, was in ein paar Minuten erledigt ist. Zur Ruhe finde ich aber nur bedingt, da einige Menschen so tun, als würde ihnen die Lauer alleine gehören. Ich merke, wie ich mich in die Ruhe der Abgeschiedenheit des Waldhäuschen zurück sehne.

Als die Menschen mit ihrem Krach und ihren Booten weiterziehen, kann ich entspannt dem Konzert der Drosselrohrsänger lauschen. Irgendwo im Hintergrund höre ich deutlich meinen ersten Kuckuck in diesem Jahr rufen. 

Grüne Oase im Großstadtdschungel. Der Bärlauch blüht. Berg- und Spitzahorn werfen ihre Blätter ins Licht.

Spannend, wie sich die Natur um die Lauer herum verändert hat. 

Sitzen und Liegen. Ich mag meine Hängematte. Irgendwann habe ich aber Reißaus genommen, als das 30ste Paddelboot gegen 12 Uhr über die Lauer in Richtung Cospudener See schipperte. 

Dienstag: meine Arbeitswoche stolpert los ich versuche nicht zu stürzen. Gegen sieben Uhr erreicht mich der Anruf, dass ich doch arbeiten kann. Ich beeile mich, um pünktlich zu sein und stelle fest, dass die Kita  Schließzeit hat. Na prima! Kurz bevor ich mich über meine Lage ärgern mag, besinne ich auf das schöne Wetter und darauf, dass ich an der Situation eh nichts ändern kann. Ich freue mich über die Knoblauchsrauke und den Löwenzahn am Straßenrand, spitze meine Ohren und lausche den Vögeln. Ich bin augenblicklich im Windie Modus und beschließe, meine restlichen Tagesaufgaben zu erledigen und dann an die Lauer zu fahren. Die Hängematte wiegt weniger als meine gefüllte Wasserflaschen und passt super in meinen kleinen Rucksack. Meditieren am See und abhängen in der Sonne scheint mir mehr als angebracht.

An der Lauer angekommen spanne ich schnell die Hängematte zwischen Erlen und einer Birke und trinke genüsslich einen Kaffee aus meiner Islolierkanne. Auf der Wiese leuchtet der Löwenzahn und die Knoblauchsrauke blüht ebenfalls. Der Drosselrohrsänger ist wieder da. Und etwas verspätet nehme ich auch den Kuckuck war. Auf der Wasserflächen mache ich weiter entfernt einen Höckerschwan aus und Blesshühner. Auf dem Wasser landet ein Kormoran. Ich tauche in die Idylle ein, entspanne mich und döse vor mich hin, als mich drei laute Flugakrobatinnen in ihren Bann ziehen. Ich kann leider nicht identifizieren zu welcher Art sie gehören. Lachmöwe? Flussschwalbe? Ein gutes Fernglas würde weiterhelfen. Egal. Ich freue mich aber über die Geräusche und Flugmanöver.

Abhängen und die Art der Woche ist auch schon da. 


Nach einer Weile packe ich meine Sachen wieder ein und freue mich auf den Rückweg durch den Auwald. Ich möchte Bärlauchblütenspitzen sammeln und einlegen. Ich bin wiederum erstaunt über die Blätter vielen jungen Bäume und entdecke Linde, Ulme, Esche, Hainbuche, Eiche, Kastanie, Spitz- und Bergahorn. Am Boden sehe ich Gundelrebe, Goldnessel, Taubnessel, Brennnessel, Knoblauchsrauke und vor allem ein Meer aus Bärlauch und Bärlauchblüten. 

Seit Tagen begleitet mich eine innere Zufriedenheit, weil ich bisher so viele Dinge durch meine Weiterbildung bei Wildniswind entdecken durfte. Jede neue Art bereichert mein Leben und ich frage mich, wie ich so lange so blind durch die Gegend laufen konnte. 

Mittwoch & Donnerstag: immerhin 4h Arbeit am Tag. Auf dem Weg zur Straßenbahn erfreue ich mich über die zahlreich bepflanzten Baumscheiben. In meinem Viertel stehen zum größten Teil Winter-Linden als Straßenbäume. Straßenbäume haben es besonders schwer. Sie werden einzeln und weit auseinander, in sehr beengten Flächen, mit schwer verdichtem Boden gestellt. Es fehlt an Wasser. Im Sommer heizt sich der Asphalt auf. Im Winter kommen Streusalze hinzu. Dann noch Abgase, Hundekot und Hundeurin. Fahrräder werden achtlos dagegen gelehnt. Bei Bauarbeiten werden Rinde und Wurzeln verletzt. Es werden rigoros in Regelmäßigkeit die Äste verschnitten. Es gibt kaum eine Verbindung zu anderen Bäumen. Aber sie sind so wichtig für das Stadtklima. Ihr Schatten kühlt, sie machen eine Stadt liebenswerter. Zahlreiche Insekten und Vögel leben an, in und auf ihnen. Wir sollten den Straßenbäumen mehr Achtung entgegenbringen. Bepflanzte Baumscheiben können dabei helfen die Artenvielfalt zu erhöhen, das Wasser im Boden zu halten und sehen auch noch schön aus. 

Zeit für Baumscheiben Watching und fur Läden, die ich gerne besuchen wollte. 

In einer Kita bestaune ich die Bäume. Spitzahorn, Bergahorn, Pappel, japanische Kirsche. Drumherum stehen Birke, Rosskastanie, Platanen, Eiche. Ob die Leute wissen, was sie hier für eine Oase haben? In der Nähe liegt noch ein großer Park, durch den ich nach der Arbeit zum Training gehe. 

Neben bei schaffe ich es auch in zwei Läden meiner Wahl zu gehen. Vöner und vegane Donauwelle sind genau mein Ding. 

Freitag: neuer Tag und selbes Spiel wie zu Wochenbeginn. Arbeitsausfall. Was für eine bescheidene Woche. Aus geplanten 30 Arbeitsstunden werden 15. Davon waren glücklicherweise sechs Stunden durch einen Feiertag gedeckelt. Trotzdem sind es am Ende der Woche 50% Verdienstausfall. Shit happens. Ich fahre mit dem Bus Richtung Lauer und versuche zu entspannen. Die Drosselrohrsänger geben ein Konzert während ich mich in meine Hängematte kuschel. Dieser Tag kann nur noch besser werden, denn heute gibt's noch eine Familienfeier. 

Mein Weg durch den Bärlauchwald. Die Hängematte zu kaufen war eine großartige Entscheidung.  Mit einem passenden Tarp und einem Underquild wirds bestimmt noch schöner. 

Samstag & Sonntag: mein Körper sagt: "Nö!". Ich denke mir:: "Was für ein Unsinn". Allergieschub. Auch das noch. Dem kann ich mich nur beugen. Mehr Zeit für mein Naturtagebuch.  Dabei ist das Wetter so schön. 

Mein Fazit der Woche: wenn die äußeren Umstände nicht gut sind, fällt es mir nicht immer leicht entspannt und befreit in die Natur zu gehen. Allerdings komme ich immer deutlich entspannter aus der Natur zurück. 

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