Zugegeben, wer kennt es nicht, diesen Blues nach dem Urlaub. Die eine Hälfte von mir hängt noch im Tinyhouse, die andere Hälfte versucht sich hier zu arrangieren. Pünktlich zum in meinem Gedächtnis abgespeichert, mit Beginn des Vogelkonzertes gegen 5 Uhr bin ich wach. Aber etwas hat sich verändert. Die Stadt ist mit all ihren Geräuschen deutlich lauter. Die Straßenbahn, die eine Straße parallel zu meiner läuft ist sehr laut, wenn das Fenster offen ist. Dann sind da die feiernden Menschen, die durch die Nacht ziehen. Losfahrende oder einparkende Autos in meiner Straße und die Zufahrt zum Krankenhaus an der nächsten Kreuzung. Dann das Licht. Im Urlaub in hunderten Meter Entfernung drei Laternen. Hier zu Hause überall Lampen, Es gibt keine Dunkelheit. Das hellste im Urlaub war meine Stirnlampe, wenn ich in der Nacht aufs Klo musste und ansonsten der Mond. Was mir aber besonders auffiel. Die Vögel waren nicht da. Im Unterbewusstsein lauschte ich während des Versuchs noch einmal einzuschlafen und hörte nichts. Später dann eine zaghafte Ringeltaube und zwei Rabenkrähen. Ein kleiner Vogel, den ich nicht bestimmen konnte, pfeifte ein kurzes Lied. Mit der Sonne kammen am frühen Vormitag die Mauersegler. Aber das wars. Entweder sind allen anderen Geräusche zu laut oder hier ist eine Armut an Leben auszumachen, die mit ihrer Stille in meinen Gehörgänge weh tut. Das macht mich traurig und ich stelle mir die Frage, wie lange ich dieses Stadtleben noch ertragen mag.
Montag: Ich mag heite nicht rausgehen. Mich zieht es nicht in den Park, nicht in den Auwald. Klar, mit der Familie draußen Zeit verbringen. Aber mehr auch nicht. Ich ziehe mich in meine kleine Welt zurück, machte Sport, höre Musik und chille. Morgen hat mich das Alltagsleben wieder,, die Lautstärke und die Termine. Übrigens beginne ich morgen eine Weiterbildung zum "Inklusions Assistenten" in Präsenz. Diese wird mich ein halbes Jahr lang neben all meinen anderen Aufgaben begleiten.
Dienstag: Die Arbeit hat mich wieder. Und.... Neben der Lautstärke waren es heute satte 30°C. In der Kita brachte ein Kind ein Bauprojekt mit und ich war begeistert. Eine Garderobe aus Holzresten und eine Hakenleiste.
Zudem haben wir heute mit einem Waldkarten Spiel Tiere geraten. Meine Aifgabe war relativ einfach. Fragen stellen. Die Kinder haben dann wirklich viele Tiere erkannt. Aber es gab auch wirklich fiese Fragen. Wer kennt den bitte schon den Buchdrucker?
Mittwoch: Die Woche rast dahin und ich komme ins Struggeling. Die Langsamkeit aus dem Urlaub will so überhaupt nicht mit der Geschwindigkeit meines Stadtlebens korrespondieren. Aufstehen, losrennen, Arbeit, losrennen, Training, Training, Training, Training, Training. Es ist nach 20 Uhr und ich habe noch gut 50 Minuten Bahnfahrt vor mir. Ich mache mir was zu essen und finde schlecht in den Schlaf.
Donnerstag: Schlecht erholt von der gestrigen Anstrengung und dem wenigen Schlaf geht's schon wieder in den Tag. Aufstehen, Duschen, Frühstück machen und ab zum Bus. Nach der Arbeit gings ins Gym. Vor dem Training war mein eigenes Training dran. Sachen packen, Biokiste holen, Abendessen machen, versuchen zu schlafen. Das Hamsterrad dreht sich.
Freitag: Irgendwann 17 Uhr hole ich mein Kind ab und schaffe es, etwas runter zu fahren. Bei den letzten drei Tagen fällt es schwer nach Naturverbindung zu suchen und trotzdem ist sie da. Immer in kleinen Sequenzen. Der Milan überm Feld, der sich mit der Thermik schwer tut. Ein anderer Milan, der sich in den Bäumen der Kita kurz nieder lässt. Die Kohlmeisen, die genervt vom Treiben vor ihrer Bruthöhle sind. Über all sind kleine Dinge zu entdecken. Wie schnell das Gras gewachsen ist. Gras ist übrigens meine Art der Woche.
Was fällt dir alles zu Gras ein? Nimm dir ruhig Zeit, bevor du hier weiter liest.
Gras ist die Pflanze des modernen Menschen. Gras für die domestizierten Tiere. Die Rinder, Schweine, Hühner und alle, die ich nicht aufgezählt habe. Getreidefutter, Heu, Stroh. Gras für unsere Kleidung (Baumwolle/ Wollgras), für unser Brot, unser Müsli und unser Bier. Gras, das sind unsere Nudeln und Reisgerichte. Trendessen wie Sushi zum Beispiel. Gras, das sind unsere Felder und Wiesen. Im Urlaub erfreuen wir uns an Reetgedecken Dächern. Gras auf unseren Fußwegen mögen wir dann allerdings doch nicht. Die Zecken im Gras auch nicht. Und fernab von unserem gezüchtet Gras? Das sind die Steppen und Savannen mit ihren unzähligen kleinen und großen Grasfressern.
Was wäre unsere Welt ohne Gras?
Samstag: Wir bereiten uns gerade für die Jugendweihe meiner Nichte vor und mein Kind möchte neue Kleidung kaufen. Da ist es schon wieder, das Gras. Baumwolle. Zum Mittag gab es bei uns Reisnudelsalat mit Tofu und rotes Gemüse Curry mit Reis und Mok-Duck (vegane Ente). Reis und Weizen. Zwei Getreidesorten dominieren unser Essen.
Geht es dir auch so? Wenn ich mir bewusst mache, wo alles Gras drin ist, dann werde ich demütig vor diesen Pflanzen.
Sonntag: Es war ein fauler Sonntag. Bis aufs Essen machen und das Wäsche waschen wars nicht viel. Na gut, eine Mobility Session habe ich gemacht.
Das ich so in den Nachurlaubs-Blues fallen werde, dass hatte ich beim besten Willen nicht erwartet.
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| Ein leckeres Essen zum Wochenausklang. Kartoffelstampf mit Spargel, Sojasteaks und Bratwürste von der "Veganen Fleischerei" und eine große Portion Salat mit veganem Feta. |
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