Ich arbeite gerade an der Reflexion zu meinem Abschluss der Wildniswind-Weiterbildung. Meine Aufgabe ist es 15 Fragen zu beantworten. In der ersten Frage geht es um eine liebevolle Beschreibung der Landschaft meiner Wohnumgebung, der Atmosphäre, des Klangs und des Gruchs.
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| Der Auwald im Frühjahr. Bärlauch, so weit das Auge reicht. |
Meine unmittelbare Umgebung ist geprägt von lebendiger Stadtnatur. Es ist ein großes Privileg, dass mich mein Arbeitsweg oft durch einen weitläufigen Erholungspark führt und der Leipziger Auwald in nur zehn bis fünfzehn Gehminuten erreichbar ist – für Stadtverhältnisse ein wahrer Luxus. Dieses grüne Herz der Stadt ist mein persönliches Streifgebiet, das mir ein schnelles, tiefes Eintauchen in die Natur ermöglicht.
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| Die Nacht an meinem Sitzplatz verbringen. Ein besonderes Erlebnis. Oktober 2025 |
Die Landschaft zeigt sich hier sanft und flach: Weite, offene Wiesen werden von dichten Baumgruppen und schattigen Waldinseln gesäumt. Die Übergänge in die Flussauen sind so fließend, dass sie sich dem ungeübten Auge kaum aufdrängen. Die einzigen nennenswerten Erhebungen der Region erzählen Geschichten von Menschenhand – es sind Relikte des ehemaligen Bergbaus und bewachsene Schutthalden, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind.
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| Nach starken Regenfällen zeigt sich der Auwald von einer besonderen Seite. April 2025 |
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| Die Bärlauchblüte im Leipziger Auwald. April 2025 |
Auch für die Nase hat diese Landschaft ihren ganz eigenen Rhythmus. Der typische, nicht immer wohlige Geruch der Großstadt wird zweimal im Jahr von zwei intensiven Naturereignissen komplett verdrängt: Zuerst legt sich der würzige, knoblauchartige Duft der Bärlauchblüte wie ein Teppich über den Waldboden, dicht gefolgt vom betörend süßlichen Aroma der Lindenblüten. Obwohl die Linde der Stadt Leipzig einst ihren Namen gab und bis heute das Straßen- und Parkbild dominiert, hat sie sich im Auwald selbst mittlerweile rar gemacht.
Die Kulisse des südlichen Auwaldes ist voller Kontraste. An sonnigen Tagen gleicht das dichte Wegenetz mancherorts einer pulsierenden Fahrrad-Autobahn. Und doch, wer genauer hinsieht, findet sie noch: die versteckten Plätze zum Innehalten. Mein absoluter Lieblingsort liegt direkt an der Lauer. Hier spanne ich unglaublich gerne meine Hängematte zwischen die Bäume, lasse die Seele baumeln und beobachte das sanft fließende Wasser. Es ist ein Ort, den ich zu jeder Jahreszeit genieße – ob im satten Grün des Sommers oder in der klaren, stilleren Luft des Winters.
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| Auf dem Weg zur Arbeit. Mit dem Rad durch den Erholungspark Lößnig-Dölitz im März 2026. |
Eine vollkommene, unberührte Stille findet man im Auwald zwar selten – das Summen der menschlichen Zivilisation bleibt als steter Hintergrundton erhalten –, aber genau diese Co-Existenz und solche Rückzugsorte wie an der Lauer machen die besondere, lebendige Atmosphäre dieser Stadtnatur aus.
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