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Leipzig-Paris-Clisson

Mein Blick aus dem Fenster unserer Unterkunft in Clisson

Montag: Darauf habe ich mich sehr gefreut. Urlaub. Zum ersten Mal mit meinem Kind zusammen im Ausland. Die ersten Ideen dazu sind gut ein Jahr alt. 

Mit dem Zug, den wir rechtzeitig gebucht hatten, ging es über Frankfurt am Main nach Paris. Paris nutzen wir als Zwischenstopp und machen Tourikram. Mein Kind wünscht sich, dass wir den Eiffelturm besuchen. 

Das ist eine gute Chance, einen kleinen Ausschnitt von Paris zu sehen und ein paar vegane Cafés zu besuchen.

Das war einer meiner Wünsche. Über die Tinyforests in Paris wurde medial viel berichtet und ich wollte das unbedingt selbst sehen und fühlen. 

34°C im Schatten. Viele Straßen in Paris haben keine oder nur wenige Bäume. Manche Plätze sind Asphalt- und Betonwüsten. Ja, die großen Alleen mit ihren vier Reihen Bäumen gibt es auch. Aber die Seitenstraße lassen manchmal jegliches Grün missen.  Und dann betreten wir einen Platz, der früher mal ein großer Kreisverkehr war. Der Wald ist nicht groß und die Bäume sind noch knickt alt, aber wir spüren sofort die kühlere Umgebung. Ein wenig später laufen wir wieder durch eine baumlose Fassadenschlucht und es ist einfach trostlos und heiß, obwohl wir uns im Schatten bewegen. Wenn ich mir vorstelle, dass die knapp 6 Hektar Capi-Wald mitten in Leipzig gerodet werden sollen, dann fehlt mir jedes Verständnis.

Tinyforest in Paris

Es braucht mehr grün. Diese Fasade gefällt mir sehr gut. 

Vom Schatten aus lässt sich der Eifelturm ganz gut besichtigen.

Touris machen Touri-Dinge

Für die damaligen Möglichkeiten war das schon ein irrwitziges Projekt, diesen Turm zu bauen.

Wenn ich mir die beiden Pariser Hauptbäume so anschaue, dann sind das Platane und Rosskastanie. Aber es gab auch wirklich viele Japanischer Schnurbäume zu sehen. Auf den ersten Blick sahen die Bäume aus wie Robinien. 

Japanische Schnurbäume sind in manchen Straßen, aber ich in Parks dominierend. 

Die unpaarig gefiederten Blätter vom Schnurbaum

Dienstag: Paris-Nantes-Clisson. Heute ging es gegen Mittag mit dem Zug zu unserem eigentlichen Ziel. Paris sehen wir in 11 Tagen auf der Rückfahrt wieder.  

Die Auswahl in dieser veganen Bäckerei und Café ist riesig und reicht von süß bis herzhaft. In zehn Tagen sond wir nochmal hier!

Wir haben uns auch noch Mandel-Croissants, Brioche,  Schokobrötchen und Sandwich mit Sojamédaillons geordert. 

Derart gut gestärkt lässt es sich entspannt auf der fünfstündigen Zugfahrt in den Westen Frankreichs fahren. Ich genieße die Zugfahrt und schaue mir die Landschaft an. Das habe ich schon als Kind geliebt. Eigentlich sollte uns ein vom Atlantik geprägtes Klima erwarten. Aber Clisson erwartet uns mit einer neuen beispiellosen Hitzewelle. Diese Temperaturen, die dieses hier Jahr herrschten, waren Rekordtemperaturen. Wir steigen vei 37°C aus dem Klimatisierten Zug und es fühlt sich an, als würde Mensch gegen eine unsichtbare Wand laufen. Vor zwei Wochen fand hier das Hell-Fest bei Höllentemperaturen statt. Die gleiche Wetterlage hatte eine Woche später den Straßenbahn-Verkehr in Leipzig lahm gelegt. Ich bin gespannt,  was bei mir zu Hause in Leipzig passiert. 

Als wir in unserer Unterkunft ankommen haben wir keine Zeit zum Ausruhen. Mein Körper schreit Ruhe, aber wir müssen noch einkaufen. Also nocheinmal durch die Hitze. Der Supermarkt ist gut einen Kilometer entfernt. Als wir wieder zu Hause sind muss ich erstmal die Beine hochlegen. 

Abendstimmung im Ferienhais. Leicht unterhalb gelegen befindet sich direkt am Fluss ein Gartenlokal.

Die Wände strahlen die gespeicherte Tageswärme ab. Ein guter Platz für Eidechsen auf der Jagd.

Wir wohnen in einem historischen Gebäude, direkt oberhalb des Flusses.

Mittwoch: In der Nacht kam frische Luft durch die Fenster.  Ein Seegen. So ließ es sich gut schlafen. Im Hintergrund war das Wasserrauschen vom Fluss zu hören. 

Nach dem Frühstück haben wir eine kleine Runde durch den Ort gedreht.  Die Temperaturen waren am Vormittag noch erträglich. 

Kreidestift trifft auf Künstler:in. Wie schön kann Mensch bitte die Kneipenfenster bemalen?

Überall gibt es schöne Blüten zu bestaunen.

Kirche, Markthalle und ein Statement. 

Überall gab es kleine Entdeckungen.  Unter der Bank steht eine Elter im Schatten und tut sich mit der Hitze schwer. Das Bild habe ich dur einen zwei Zentimeter breiten Schlitz im Zaun gemacht. 

Alte Gassen und Fassaden, die zum Teil schon einige Jahrunderte gesehen haben.

Wie schön kann bitte eine kleine Stadt sein? Clisson so: "Ja!"

In Echt ist es noch schöner als auf den Fotos.

Am Abend kurz nach Sonnenuntergang sind wir nochmal vor Haus gegangen. Auf das Wehr können wir entspannt von unserem Fenster schauen.
Das Wehr besteht aus großen Steinen, über die Mensch zur Zeit seht entspannt darüber hinweg balancieren kann. So mitten im Fluss stehenden lassen sich wunderbar allerlei Pflanzen und Tiere entdecken. 

Gelbe Seerosen.

Der Graureiher wartet auf den Abendsnack. Die Frösche und Jungfische müssen gut auf sich aufpassen. 

Donnerstag: Aufstehen und die kühle Luft genießen, bevor das Thermometer gegen elf Uhr die dreißig (30) Grad Celsius knackt. .ein erster Weg führte mich hinunter zum Wehr an der Sèvre Nantaise. Die Ruhe tut gut und es fühlt sich halbwegs erträglich an. 

Das kühle Nass tut mir gut. Im ruhigen Randbereich tummeln sich die Jungfische. Über die Steine kann Mensch bis ans andere Ufer laufen.

ich fülle mein Herbarium bei Flora Inkognita


Nach dem Frühstück haben wir uns auf dem Weg gemacht, um die kühleren Vormittagsstunden zu nutzen und sind für ein paar Kilometer m Ufer der Sèvre Nantaise entlang gegangen. 

Welch eine Schönheit dieser Fluss ist. Mittlerweile wird die Sèvre Nantaise von vielen Menschen für Kanutouren genutzt. 

Es gab hier viel zu entdecken und vor allem die vielen Falter waren eine Augenweide. 

Auf einmal standen wir mitten auf einem Natirlehrpfad. Mein Herzschlag verdoppelte sich vor Freude.

Die offiziellen Wanderwege sind gut ausgeschildert. 
 
Am frühen Nachmittag sind wir nochmal losgezogen um unseren Getränke-Vorrat aufzufüllen. Das kalte Wasser aus der Leitung ist mittlerweile lauwarm. Bei uns gibt's Apfelschorle mit stillem Wasser. By the way... in Frankreich gibt es seit Mitte der 1990er Jahre jein Pfandsystem mehr. Das ist eigentlich sehr schade. Lediglich eine große Supermarktkette hat Leergutautomaten und dort kann Mensch die Flaschen für 1 bis 2 Cent abgeben, anstatt sie in den Müll zu schmeißen. Die Menge an Einwegflaschen, die wir hier kaufen müssen macht mich traurig.

Zur Feier des Tages hat mich am Nachmittag eine Infektion flach gelegt. Die Hitze tat ihr übrigens dazu. 

Freitag: Nachdem ich gestern schon mehr geschlafen habe, als ich wach war, habe ich es vorgezogen meinen Tag überwiegend liegend zu verbringen. Mir ging es zwar deutlich besser, aber ich war schlapp. Bei den zu erwartenden 38°C war das wohl die beste Entscheidung. Zwischenzeitlich habe ich die Zeit genutzt, um von der Fensterbank aus aufs Wasser zuschauen und vor allem,  um für drei Zertifizierungen die Reflexionsfragen zu beantworten. Bei einundzwanzig Fragen hatte ich auch reichlich zu tun. So fühlte sich der Tag nicht ganz so verschwendet an.

Samstag: Der Tag startete am Morgen mit dem weit entfernten Grummel eines Gewitters. Dieser war zwar erst für den späten Nachmittag angesagt, aber um solche melschlichen Einordnung kümmert sich das Wetter nicht. Etwas später erreichte es auch uns mit Blitz und Donner und einer gehörigen Portion Starkregen. Sollte das jetzt die ersehnte Abkühlung werden? Der Wetterbericht verspricht 38°C und hohe Luftfeuchtigkeit. 

Der Blick aus dem Fenster. Seiltanzringegeltauben. Die sind quasi jeden Tag hier anzutreffen. 

Das fühlte sich auch an wir wie ein Niedrigtemperatur-Garprozess. Ich habe verdammt viel geschwitzt. Immerhin für den Einkauf hat es heute noch gereicht. Aber auch heute kletterte das Thermometer tatsächlich auf die angesagten 38°C. 

Bei so viel Schwitzen ist an Natur- und Reisetagebuch schreiben nicht zu denlken, wenn das paier vom Schweißabdruck wellig wird und die Tinte verläuft. 

Vom Schweißabdruck verschmiert Papier. Ich hatte trotzdem meine Freude beim Stempeln und Zeichnen. Die Stempel haben mein Kind und meine Partnerin am Freitag in einem kleinen Laden in Clisson entdeckt und mitgebracht. Ich bin schon gespannt,  was die Kids in meiner Kita davon halten. 

Darum habe ich angefangen meine Struktur für die Artenjournale am Tablet zu erstellen, von denen ich immerhin 20 einreichen muss. Zusätzlich kommen noch dazu jeweils eine Seite zur Dokumentation, wie ich mir die jeweilige Art der Woche zugänglich gemacht habe. Zusammen mit der Reflexion sind es siebenundsechzig (67) Seiten. Erschwerend kommt mein Anspruch hinzu, an dem ich gelegentlich zu scheitern drohe. Aber tatsächlich habe ich mit meinen Aufzeichnungen aus gut zwei Jahren so viel Material zusammengetragen, dass es locker für drei Arbeiten reichen sollte. 

Ich verrate mal so viel... bei meinen frei wählbaren Arten habe ich mir ausschließlich Pilze ausgesucht. Wenn ich ganz ehrlich bin, sind es die Pilze, die mich unfassbar faszinieren. 

Sonntag: Gestern Abend hatte ich einen Hefeteig für Milchbrötchen vorbereitet.  Dementsprechend groß war meine Vorfreude aufs Backen. Kurz vor 07:30 Uhr bin ich aufgestanden, ziehe meinen Hefeteig aus dem Kühlschrank und... die Hefe hat kaum gearbeitet. War die Milch zu heiß? War die Trolenhefe einfach nicht mehr gut?  War der Kühlschrank zu kalt? Mehl für einen zweiten Anlauf hatze ich nicht, also Brötchen formen und den Teig eine Stunde gehen lassen. Wenn die Temperaturen am Morgen schon bei 25°C liegen und die Hefe nicht reagiert,  dann ist sie wohl tot. Ich have die Brötchen trotzdem gebacken. Gut ist anders und da ich relativ oft Brötchen backen, war der Start in den Tag heute eher Mäßig.  

DIe Flechten auf der Steinbank vorm Haus, auf der ich beim Frühstück sitze, sind so faszinierende Wesen. Halb Alge, halb Pilz. Es gibt die schon so lange auf unserem Planeten und in meinem Kopf ploppen viele Fragen dazu auf. Da muss mehr Wissen her.

Heute solen es übrigens 39 bis 40°C werden und wir sind dann auch auf dem Peak der zweiten Hitzewelle in Clisson. Verdammt viele Negativrekorde, die hier gebrochen wurden. Mein persönlicher Bedarf an Hitzetagen in diesem Jahr ist wirklich mehr als gedeckt.  Aber ich habe die leide Ahnung,  dass da noch einiges auf uns zu kommt. 

Ich halte mal für diese Woche fest: den Urlaub haben wir uns anders vorgestellt. Wir hatten nicht vor, so viel Zeit ans Haus gebunden zu sein. Hitze schlägt bei mir aufs Gemüt. Schlechter Schlaf ebenso. Im Haus gibts keine Klimaanlage und keine Ventilatoren. 

Mein Power-Tool - Wim Hof Atemtraining und Meditationsübungen. Ein- bis zweimal am Tag einfach unter die "kalte" Dusche stellen und das Lächeln nicht verlieren. 

Wir lesen uns im zweiten Teil des Reiseberichts...



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