Prioritätenverschiebung: Wie ich meine Verbindung zur Natur wiederentdeckt habe
Irgendwann in meinem Leben musste ich mir eingestehen, wie sehr ich mich von der Natur entkoppelt hatte. Nicht, dass ich einen Campingurlaub im Zelt oder einen Waldspaziergang nicht zu schätzen gewusst hätte – aber ich nahm einfach viel zu wenig von meiner Umwelt wahr. Und noch viel schlimmer: Wie wenig konnte ich mich selbst noch in ihr spüren? Wie viel meiner eigenen Natürlichkeit war mir über die Jahre tatsächlich abhandengekommen?
Heute weiß ich: Es hat sich radikal etwas geändert. Hier sind die sieben Meilensteine meiner Rückverbindung:
1. Die Priorität der „Draußenzeit“
Zeit an der frischen Luft zu verbringen, ist mir extrem wichtig geworden. Egal ob mit meinem Kind, meiner Partnerin oder ganz bewusst alleine: Ich genieße jede Minute draußen. Ob im Urlaub, am Wochenende oder direkt nach der Arbeit – es zieht mich raus. Zu meinen absoluten Highlights gehören Wanderungen, „Wanderings“, Wochenenden im Hexenhäuschen, Trekkingtouren mit Overnighter sowie Wanderurlaube in Slowenien, Schweden und den schönsten Ecken Deutschlands.
2. Ein unbändiger Wissensdurst
Mein Hunger nach Naturwissen ist riesig und hält unvermindert an. 2023 stand im Zeichen intensiver Weiterbildung: Ich absolvierte Online-Kurse an Wohllebens Waldakademie, machte meine Ausbildung zum Kursleiter für Waldbaden und wurde Trainer für Meditation und Achtsamkeit. 2024 folgten Onlinekurse vom NABU und WWF.
Ein echter Wendepunkt war das Buch „Freundschaft mit der Natur“ von Matthias Blaß, das mich tief in die Welt der Wildnispädagogik eintauchen ließ. Im September folgte schließlich der logische nächste Schritt: Meine Weiterbildung zum Naturmentor bei Wildniswind. Seitdem werde ich wöchentlich mit neuen, faszinierenden Themen beschenkt. Ich schreibe und zeichne unglaublich viel – an fünf Tagen der Woche ist mein Naturtagebuch mein fester Begleiter. Zudem hat sich mein Bücherregal in den letzten zwei Jahren mit zahlreichen Sachbüchern zu Naturthemen gefüllt.
3. Der grüne Daumen in den eigenen vier Wänden
In den letzten beiden Jahren habe ich meinen grünen Daumen entdeckt. Mittlerweile grünt und blüht es in meiner Wohnung von reichlich Zimmerpflanzen. Das ist ein riesiger Kontrast zu früher: Es gab Jahre, da hatte ich nicht eine einzige Pflanze in meiner Bude. Jetzt habe ich richtig Bock aufs Gärtnern.
4. Naturkompatibler Kleiderschrank
Meine Garderobe hat sich komplett verändert. Der Großteil meiner Klamotten besteht inzwischen aus Wandersachen oder Kleidung, die absolut tauglich für lange Draußenzeiten ist. Auch bei den Schuhen entscheide ich grundsätzlich nach ihrem Wert für den Wald. Und für Wanderings bei „schlechtem Wetter“ oder ausgiebige Pilztouren im Herbst stehen mittlerweile robuste Gummistiefel bereit.
5. Die Rückkehr zum alten Handwerk
Ich interessiere mich wieder brennend für altes Handwerk. Eigentlich habe ich ja mal den Beruf des Zimmerers erlernt, ihn aber noch vor der Jahrtausendwende an den Nagel gehängt. Heute ärgere ich mich ein wenig, dass ich keines meiner alten Werkzeuge mehr besitze. Um spontan auf Entdeckungen reagieren zu können, habe ich mir eine Grundausrüstung zugelegt, die ich oft bei mir trage: eine Klappsäge, ein gutes Allzweckmesser, ein Schnitzmesser und eine kleine Schaufel.
Ein paar Beispiele, was ich damit sammle? Hasel für einen Wanderstock. Birke für Holz, Borke und perfekten Zunder. Kiefer für Kienspan, der ebenfalls fantastisch brennt. Dazu diverse andere Hölzer zum Schnitzen sowie Brennnesseln und Brombeerranken, um eigene Schnüre und Flechtmaterialien herzustellen.
6. Immer dabei: Das kleine Faltkissen
Ich habe fast immer ein Sitzkissen oder eine isolierende Faltmatte dabei. Damit lässt es sich draußen auch über längere Zeit entspannt aushalten. Wenn dann noch eine Thermoskanne Tee im Rucksack steckt, ist es fast perfekt. Ob angelehnt an einen dicken Baum oder auf einer einsamen Bank – so eine Sitzunterlage ist Gold wert. Sie schützt vor Kälte, Nässe und Schmutz. In Kombination mit einem kleinen Tarp kann ich so problemlos viele Stunden draußen verbringen.
7. Achtsamkeit und Elemente: Meditation & Kälte
Seit dem letzten Sommer habe ich meine Meditationspraxis intensiviert und durfte viele berührende Momente in freier Natur erleben. Zudem arbeite ich aktiv mit der Kälteexposition. Das tägliche kalte Duschen am Morgen ist mir zu einer echten Freude geworden. Es hilft mir ungemein, den Tag direkt mit meinen geistigen und körperlichen Übungen zu beginnen. Am Wochenende und im Urlaub genieße ich das ganz besonders – völlig ohne zeitlichen Druck.
Entspannung pur. Anfang Februar im Leipziger Auwald.
Naturtagebuch und Handwerk. Mein erster selbstgeschnitzter Holzlöffel ist – wie ich finde – gar nicht so schlecht geworden!
![]() |
| Entspannung. Anfang Februar im Leipziger Auwald. |
![]() |
| Naturtagebuch und Schnitzen. Mein erster Holzlöffel ist ganz gut geworden - finde ich. |


Kommentare
Kommentar veröffentlichen