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Kernroutine - Sitzplatz

Ich möchte zwischen meinen Wochenberichten gerne einige Anregungen mit euch teilen. Die Sitzplatzroutine begleitet mich schon seit über einem Jahr, also schon bevor ich mit der Weiterbildung zum Naturmentor begonnen hatte. Die Sitzplatz Routine ist etwas, was ich nicht mehr missen mag. Vielleicht ploppen jetzt gerade ein paar Fragen bei dir auf. Was ist eigentlich dieser Sitzplatz? Was macht den Sitzplatz aus? Wie finde ich den richtigen Sitzplatz? Benötige ich Equipment? Ich probiere das mal zu beantworten. 

Der Sitzplatz ist ein Ort in deiner Umgebung, der dich mit den Pflanzen, Tieren und Pilzen in deinem Umfeld vertraut macht. Dabei gehst du in die direkte Verbindung mit deiner Mitwelt. Für die früheren Menschen war eine gute Kenntnis der unmittelbaren Umgebung um sie herum von existenzieller Notwendigkeit. Mir als Stadtmensch ist diese Gabe abhanden gekommen und ich bin gerade dabei diese erst neu erlernen. Einen Sitzplatz zu finden ist relativ einfach. Für uns Stadtmenschen kann es der nahe gelegene Park sein, der Stadtwald, ein See in der der Nähe, aber auch der Schrebergarten, der Balkon, die Terrasse oder ein Platz am Fenster mit Blick ins Grüne. Selbst eine Brachfläche ist ein geeigneter Ort. Wichtig dabei ist, dass du diesen Platz regelmäßig besuchen kannst. Je vielfältiger der Platz, um so besser. 

Mein Platz liegt an einer renaturieren Kiesgrube. Er befindet sich in einer Gegend mit Eigenheimen, ist umgeben von Bäumen und Waldstreifen und hat einen Übergang, getrennt durch eine Straße und einer Gleisanlage, zum nahegelegenen Auwald. An diesem Platz habe ich freie Sicht über einen kleineren See, der an einigen Stellen des Ufers mit Schilf umgeben ist. Hinter meinem Sitzplatz geht in wenigen Metern Entfernung ein Pfad entlang, auf dem, je nach Tageszeit, mal mehr oder weniger Menschen vorbeikommen. Im Sommer kann es sein, dass ich meinen Platz sehr zeitig, am besten am frühen Morgen, besuchen muss, oder erst spät am Abend. Es ist halt ein Badesee und die Eiche unter der ich sitze bietet guten Sonnenschutz. 

Eigentlich müsste Mensch meinen, dass das nicht die besten Bedingungen sind, aber die Badesaison findet auch ein Ende und dieser Platz gehört mir quasi über die Hälfte des Jahres ganz alleine. 

Was mich zur Wahl meines Sitzplatzes bewogen hatte? Im Auwald finde ich keinen Ort, der mir die notwendigen Ruhe bringt. Gerade von von April bis Oktober sind sehr viele Menschen unterwegs. Der Wildpark und die Waldspielplätze, ein breiter Radweg als Verbindung zwischen Stadt und See, sorgen neben den zwei großen Straßen für einen Lärmpegel, mit dem ich meine Probleme habe. Allerdings sind die Wege durch den Auwald zum Sitzplatz sehr schön und machen das zu einem runden Gesamtpaket. Zudem kann ich mit dem Bus in die Nähe meines Sitzplatzes fahren. Ich kann quasi eine andere Kern-Routine, nämlich das Wandering, gleich mit der Sitzplatzroutine verbinden. Nach zwei anderen Sitzplätzen habe ich mich jetzt für diesen entschieden. Natürlich spielt auch Sicherheit eine große Rolle. Im Auwald stehen viele große Eschen. Zum Teil sind diese schon abgestorben oder sie sind noch im Absterbenprozess. Viele der kleineren Bäume, die im Schatten solcher umgestürzten Giganten standen, wurden zum Teil zum Kippen gebracht und lehnen schrägstehend an anderen Bäumen. Durchlaufen geht für mich klar. Lange im Wald sitzen mag ich bei diesen Bedingen nicht. Gerade nach starken Windböhen oder Starkregen geht mein Blick immer in die Baumenkronen mit der Ausschau nach Bruchholz und so manche Wackelkandidaten liegen bereits auf dem Boden. 

Im Urlaub achten wir mittlerweile sehr darauf, diesen in weitläufiger Natur, fernab von großen Ortschaften zu verbringen, um auch dort tiefer in die Naturverbindung gehen zu können. In Schweden hatten wir ein Häuschen fernab der Straße gebucht. Dort konnten wir jeden Tag mit dem Schritt aus der Haustür tief in die Natur eintauchen. In der Eifel hatten wir dieses Jahr in einer ländlichen Region am Rand eines Dorfes und großem Grundstück ebenfalls nur den Schritt aus der Tür machen müssen. 

Die Qualität eines Sitzplatzes ist für mich wichtig. Dafür nehme ivh gerne den zeitlichen Aufwand in Kauf, um dort hinzugelangen. 

Bleiben also noch zwei Dinge zu klären. Was mache ich wann auf meinem Sitzplatz? 

Wann? Immer wenn du Zeit findest. Zu allen Jahreszeiten. Bei jedem Wetter. Zu verschiedenen Tageszeiten. Besondere Zeiten sind natürlich die Morgendämmerung und die Abenddämmerung. Hier ziehen sich einige Tiere zurück und andere erwachen. Da passiert wirklich sehr viel mehr. Allerdings sind die Lichtverhältnisse für Beobachtungen nicht die besten. Wenn es bei mir mit der Arbeitszeit passt, dann gehe ich natürlich auch gerne am Vormittag oder Mittags an diesem Platz. Die meisten Menschen gehen der Schule und Arbeit nach und so herrscht mehr Ruhe am Sitzplatz.

Ein Sitzkissen, eine Isomatte, oder eine Hängematte machen einen Sitzplatz komfortabel. Eine Decke macht diesen zum Wohnzimmer und eine Tasse Tee dazu, dann ist es schon annähernd perfekt. Pack dir Stifte und dein Notizbuch ein. Oder am besten dein Naturtagebuch. Eine Lupe, ein Fernglas können das Erlebnis in andere Sphären heben. Oder genieße einfach die Ruhe. Beobachte, meditiere, schnitze. Vor allem lass das Smartphone einfach für eine gewisse Zeit lautlos in der Tasche. 

Dadurch, dass der Platz nicht im Wald liegt, kann ich auch schon mal meinen Tee oder Kaffee direkt vor Ort kochen. 


Mit dem Baum im Rücken und auf der Isomatte sitzend, ist es hier sehr gut aushaltbar. 

Tee und warmes Essen im Gepäck. 

Die Eiche als Lehne ist großartig. 

Level up - mit der Hängematte ist es derart bequem, dass ich mir manchmal vorsorglich einen Wecker stellen muss. 

Entspannung pur.




Mit der Hängematte und dem Tarp wird der Sitzplatz zum Basecamp. Selbst bei starkem Regen lässt es sich gut geschützt aushalten. Das ist auch eine Zeit für besondere Naturbeobachtungen.

In meinem Rucksack habe ich auch immer eine geladene Stirnlampe. Wenn es  wird, gerade im Winter, oder wenn ich bei Dunkelheit durch Wald gehe, ist diese sehr hilfreich.

Du möchtest mehr über Routinen erfahren? Dann lass gerne einen Kommentar da. 

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