Was ist dieses Wandering eigentlich für mich? Wie hat es meine Wahrnehmung verändert? Welchen Mehrwert hat das Wandering für mich?
Vorab: Ich mache hier freiwillig unbezahlte Werbung für Dinge, die ich gut finde und die ich selber genutzt habe. Außerdem beinhaltet der Text ausschließlich meine Erfahrungen mit dieser wildnispädagogischen Methode und Kernroutine. Mehr dazu findest du auch auf der Seite von Wildniswind https://wildniswind.de/blog/wandering/
Am Ende gebe ich dir gerne ein paar Tipps, wie du das Wandering für dich entdecken kannst.
Meine ersten unbewussten Wanderings hatte ich 2023, als ich durch die Mulden-Auen bei Eilenburg in Sachsen lief. Ich kannte weder den Begriff oder gar die Auswirkungen, die es noch auf mein Leben haben würde. Ich war als Kursleiter für Antiaggressionstrainings eingeladen und nutzte die Zeit vor den Kursen, um mir die Natur anzuschauen, ein paar Kilometer zu Wandern und um mich vor den Kursen zu entspannen. Mit Proviant, also etwas zu Trinken und zu Essen, einem kleinen Erste Hilfe Set, Regenbekleidung und meinem Smartphone zog ich los. Aus zeitlichen Gründen hatte ich mir ein Limit gesetzt und meinen Timer auf 90 Minuten gestellt. Das war der quasi der Moment, an dem ich noch eine halbe Stunde Pause einlegen konnte und mich dann auf den Rückweg machte. Das Smartphone nutze ich ebenfalls zum Navigieren und für ein paar Fotos.
Für die drei Tage suchte ich mir drei unterschiedliche Startpunkte aus, um möglichst viel von der Umgebung sehen zu können, sowie die ungefähre Laufrichtung. Das liest sich erstmal nach klassischem Wandern. So hatte ich es auch eigentlich gedacht. Es kam aber ganz anders.
Für mich war es die Initialzündung für etwas, was ich damals noch nicht erfassen konnte, denn es kamen Fragen auf. Viel zu viele Fragen. Aber dazu später mehr.
Ich lief also los. Der erste Tag begrüßte mich mit bestem April Wetter. Es war ja schon fast April und ich war gut darauf vorbereitet. Meinen Poncho hatte ich dabei und heißen Tee. Irgendwann musste ich mich dann doch unterstellen, weil der Regen und der Wind sehr unangenehm waren. Unter einer alten großen Weide hatte ich sehr viel Zeit, um mir die Landschaft genauer anzuschauen. Und natürlich die Weide selbst, unter der ich gerade saß. Mir vielen die vielen Strukturen auf, die den mäandernden Fluss in der Landschaft sichtbar machten. Ebenfalls fielen mir die Baumreihen auf, die in einer unsichtbaren kurvigen Form folgten. Auf meiner Karte konnte ich es dann auch deutlich erkennen. Ich beschloss also einige dieser Punkte genauer zu betrachten und vergaß mich gänzlich in Raum und Zeit. Fast schon, wie in meiner Kindheit, wenn ich mitten im Spiel um mich herum alles ausblendete.
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| Tag 1 - Wechselhaftes Wetter und trotzdem eine gute Zeit. Von der Burg in Eilenburg hatte ich noch einmal eine gute Sicht auf die Landschaft, die ich durchwanderte. |
Mein gestellter Timer riss mich aus aus meinem Forschungsdrang. Am nächsten Tag, so war mir klar, wollte ich auf der anderen Flussseite entlang laufen und freute mich schon riesig darauf.
Am zweiten Tag wanderte ich bei trockenem Wetter und gelegentlichem Sonnenschein auf der anderen Seite des Mulde entlang. Ich nahm viele Pflanzen und Tiere wahr, für die ich mich sonst nicht interessierte und lief auch bei Weitem nicht so schnell, wie normalerweise beim Wandern. Einige der Vögel konnte ich bestimmen, andere wiederum nicht. So ging es mir auch bei den Pflanzen und speziell bei den Bäumen. Wieso konnte ich so vieles nicht wissen? Wieso hatte ich auch so vieles vergessen? Immerhin hatte ich eine Landwirtschaftliche Ausbildung absolviert und auch den Beruf des Zimmerers erlernt. Ich hatte das Gefühl, dass die Natur bisher für mich immer nur eine Kulisse war. Ganz egal, ob ich vorher Wandern war, oder mit dem Zelt im Campingurlaub unterwegs war. Im Urlaub hatte ich immer darauf geachtet, an abgelegenen Orten mit viel Natur drumherum zu verbringen. Städtereisen fand ich zwar auch spannend, aber die waren nicht meine erste Wahl.
So stand ich da, oder besser lief mit dieser Erkenntnis zurück zum Ort, an den ich später einen Trainingskurs halten sollte, dass ich einige gigantische Wissenslücken hatte, die breiter war und unüberschaubarer, als der Grand Canyon.
Mir ließ das keine Ruhe. Wirklich nicht. So freute ich mich auf den dritten Tag, der mich in die andere Richtung Fluss aufwärts liefen ließ.
Der dritte Tag lockte mit herzlichem Frühlingswetter. Der Weg führte mich zuerst vom Fluss weg. Zwischen Wiesen und Feldern ging es durch einen kleinen Wald hindurch. Welche Spuren stammten hier eigentlich nicht vom Menschen? Welche Landschaftsstrukturen waren natürlich und welche nicht? Was sind das eigentlich schon wieder für Pflanzen und Bäume?
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| Tag 3 meiner Entdeckungstour an der Mulde mit einer Tee-Pause und etwas Gemüsebrühe direkt am Fluss. |
Kurze Zeit später fuhren meine Partnerin und ich nach Slowenien ins atemberaubend schöne Socā-Tal. Wir wollten in dieser beeindruckenden Gegend Wandern gehen. Die Kulisse mit den schneebedeckten Gipfel der Alpen und das milde Klima im Tal, der vielfältigen Natur verstärken das Gefühl, welches ich einige Wochen zuvor in Eilenburg hatte.
Einen Monat später belegte ich die ersten Onlinekurse in Wohllebens Waldakademie. Jede Wanderung wurde eher zu einer kleinen Forschungsreise. Ich konnte immer mehr einordnen was ich sah, blieb immer häufiger stehen, um zu schauen, was wir da entdeckten. Es kamen immer mehr Fragen auf.
Und genau darum geht es auch im Wandering. Rausgehen, sich treiben lassen, neugierig sein, entdecken. Ins Hier und Jetzt eintauchen. Bei sich selbst sein und mit der Natur verbinden. Fragen stellen. Antworten suchen und wieder rausgehen.
Ich belegte auch meine ersten Kurse in Naturpädagogik, lernte Methoden kennen und wie ich diese für mich und andere Menschen erlebbar machen kann. Ich stolperte übers Waldbaden und die Wildnispädagogik (social media und deren Algorithmen sei dank) und kam auch schon mit Wildniswind in Kontakt.
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| Smoland Schweden 2024 - Naturbeobachtungen wurden immer mehr zum zentralen Inhalt unserer Wanderungen. Das Häuschen kannst du übrigens hier buchen: Airbnb Smoland Hideaway |
Routinen, die mein persönliches Wandering bereichern.
- Atemtechniken erleichtern es mir in einen Zustand der Entspannung zu kommen und ermöglichen mir dadurch einen schnelleren Zugang zur Natur. Ich nutze gerne die Box-Atmung, die 4-7-8 Atmung oder das verlängerte Ausatmen.
- Der "Eulenblick" lässt mich ins periphere Sehen kommen, was mich nocheinmal deutlich mehr in die Wahrnehmung kommen lässt. Vor allem hilft es mir vom "engen", fokussierten Sehen wegzukommen. Das habe wir ich ständig parat. Beim konzentrierten Arbeiten, beim Blick ins Buch, aufs Smartphone, oder beim Grübeln.
- Der "Fuchsgang" nimmt zusätzlich das Tempo heraus. Es ist schon fast mit der Geh-Meditation des Zen Buddhismus vergleichbar. Ein Schritt bewusst vor dem anderen setzen. Zudem kann dich dieses Schleichen auch näher an Tiere heran bringen. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass auch Eichelhäher und Amseln sprachlos sind, wenn sie plötzlich ihre Unaufmerksamkeit bemerken. Rehe kannst du ebenfalls sehr verdutzt dreinschauen lassen.
Also wecke den Forscher:innen-Geist in dir. Komme ins Hier und Jetzt und vor allem entspannt zurück. Genieße deine Zeit in der Natur und deine neu gewonnene Naturverbindung.
Hier kommen nun, wie zu Beginn versprochen, noch einige Tipps. Vielleicht sind diese ja hilfreich für dich. Die Natur vor deiner Haustür oder in deiner Nähe kannst du kostenfrei entdecken. Auch und gerade mit den eigenen Kindern lässt sich die Natur auf einer wunderbaren, spielerischen Ebene neu erleben.
- So schön das Wandering auch sein kann, achte bitte genau darauf, wo du dich befindest. In Naturschutzgebieten ist das Verlassen der Wege nicht gestattet und es könnten drastische Bußgelder auf dich zukommen. Federn, Knochen und Geweihe gehören dem Jagdpächter und dürfen ohne Erlaubnis nicht mitgenommen werden. Es ist sinnvoll, dich mit den gelten rechtlichen Bestimmungen auseinander zu setzen. Wenn nicht anders ausgewiesen, ist es nicht verboten die Wege zu verlassen. Mache dich damit vertraut, was du sammeln darfst und was nicht. Der NABU bietet einen kostenfreien und intensiveren Einblick in das Thema. NABU Naturgucker Akademie - Umsichtiges Naturgucken
- Richte im Wald deine Blicke auch nach oben in die Bäume. Dort können abgebrochene Äste zu einer ernsthaften Gefahr für dich werden. Gerade an windigen Tagen braucht es etwas mehr Aufmerksamkeit.
- Packe dir einen Rucksack fürs Wandering. Klar geht's auch ohne, aber so bist du gut ausgerüstet und kannst auch bei schlechterem Wetter direkt vor oder nach der Arbeit in den Wald und die Feldflur eintauchen. Neben Bekleidung (Zwiebelschicht-Prinzip und Regenschutz) gehören auch Proviant und ein Erste Hilfe Set, je nach Jahreszeit Sonnencreme und Mückenschutz, eine Sitzunterlage und ein Notizheft mit einem Stift zur perfekten Ausrüstung.
- Nature Journaling ist eine prima Möglichkeit, deine Entdeckungen und Fragen in Wort und Bild festzuhalten. Auf der Seite von Verena Hillgärtner erfährst du mehr zum Thema Was ist Nature Journaling?
- Sollte es dir schwer fallen, dich aufs Wandering einzulassen, dann gehe zum Beispiel einfach vor deiner Haustüre eine dir bekannte Route ab und schaue mal, welche Pilze du finden kannst. Beim nächsten Mal konzentriere dich auf Bäume, auf Insekten, auf Vögel, auf Säugetiere, auf Gräser und die Mauerblümchen, auf.... Und jetzt geh endlich raus!






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