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Abschied nehmen

Blog Post No97 - Kalenderwoche 35/2026

Montag: Vor über einem Jahr bin ich nach "Wolks" gekommen und tat mich erstmal schwer damit, in diesem entlegenen Ortsteil von Leipzig zu sein. Aber ich habe mein Herz ein wenig an das "Dorf" am Rande der Stadt verloren. 

Fünfzehn Monate sind eine Menge Zeit und wenn ich hier durch den Blog stöbere, dann ist in der Zeit so richtig viel passiert. Ich habe mein erstes Wildniswind Jahr hier abgeschlossen und meine Waldbotschafter Weiterbildung absolviert. Im Kindergarten konnte ich des öfteren Wald- und Naturpädagogisch wirken. Meine Waldbotschafter Abschlussarbeit durfte ich mit der Kita Gruppe beim gemeinsamen Waldtag umsetzen. 

Und dann ist da noch der Erholungspark Lößnig-Dölitz, den ich sehr mag und in dem ich mich zurückziehen konnte. Der Hängematten Platz unter den Linden. 

Vor allem sind es aber die vielen kleinen und großen Menschen, mit denen ich viel Zeit verbringen durfte. Wenn ich Menschen begleiten kann, ihnen zu Seite stehe, mit ihnen lerne und wachse, dann macht meine Arbeit einen großen Sinn und ich mache sie gerne. 

Kern meiner Arbeit ist es, dass ich mich aus der Begleitsituation  Stück für Stück zurück nehme und irgendwann gehe. Wenn meine Klienten keine oder nur noch wenig Begleitung benötigen, dann ist meine Arbeit getan. Dennoch ist da die zwischenmenschliche Komponente. Wenn ich mit einem kleinen Menschen 30 Stunden in der Woche verbringe, dann ist das mehr Zeit, als es Menschen aus ihrer Familie tun. Das bleibt hängen. Eine tiefe, vertrauensvolle Verbindung. Da kann ich zwar gehen, aber ein Teil von mir wird immer in der Verbindung sein. Glücklicherweise gibt es Smartphones und um die Verbindung  für einen kleinen Moment wieder herzustellen benötigt es nicht viel.

Dienstag: Ich bin auf dem Weg zu meinem neuen Klienten und habe das Glück, durch den Leipziger Friedenspark zu gehen, als ich die neue Einrichtung besuche. Für mich wird das ab der nächster Woche mein neuer Sitzplatz werden. Allerdings ohne Hängematte, da sich hier keine Möglichkeiten bieten eine Hängematte aufzuspannen. 

Am Nachmittag war ich mit einem Freund im Wald unterwegs und habe ihn ein paar Spots im Auwld gezeigt, die er noch nicht kannte. Wir haben viel geredet,  viel gelauscht und gestaunt. Mit dem Eulenblick konnten wir die Geweihstangen eines Hirsches ausmachen, der im Dickicht lag. 

Die Russische Kiche steht direkt am Park. 

Der Friedenspark ist sehr schön und obwohl ich hier schon oft durchgegangen bin, weiß eigentlich gar nichts über diesen Park. Noch nicht.

Astbruch im Park bei alten durch Hitze und Trockenheit gestressten Bäumen. In einem Park, durch den täglich tausende Menschen laufen, kann das echt zu einem großen Problem werden.

Der Hakenteich im Connewitzer Wildpark

Mittwoch: Der Tag ist wie üblich geprägt von Arbeit und Training. Ein Highlight gab es trotzdem. Ich habe ein kleines altes Buch über Natur geschenkt bekommen

Donnerstag: Ich sitze vor einem Supermarkt auf der Bordsteinkante, trinke Kaffee und tippe diese Zeilen. Ich warte darauf, meinem Klienten zu sagen, dass sich unsere Wege ab morgen trennen werden. Wenn es schon für mich so schwer ist, wie schwer wird es für meinen Klienten sein? Abschied nehmen ist immer ein Teil des Lebens, aber wie schon Eingangs beschrieben, mag ich den Menschen sehr und den Ort auch. Für mich wird hier morgen Schluss sein. 

Warten auf ein Gespräch, auf dass ich wirklich gern verzichtet hätte.

Der Wasserturm in Liebertwolkwitz ist das Markenzeichen des Ortes.

Freitag; Eine letzte Fahrt mit dem Bus an den Ort, an dem ich die letzten Monate  erbracht hatte. Ein letztes Mal im Arbeitskontext einen kleinen Menschen zum Abschied drücken. Ich bin emotional aufgewühlt. In solchen Situationen kann ich aber leider nicht heulen und wirke doch sehr gefasst. Das mache ich dann eher zu Hause. Danke für all die Zeit mit den großen und kleinen Menschen, die Wege durch die Natur. Das Kohlmeisen Paar im Kindergarten. Die Stare in den Bäumen, Der Rabenkrähen, die ich jeden Tage sehen konnte. Die Ringeltauben und die Elstern. Der rote Milan. Die Graugänse und der Graureiher im Park. Danke für die schöne Zeit und den Lernprozess. 

Samstag: Gestern Abend hatte ich einen Apfelkuchen gebacken. Du magst das Rezept haben? Vielleicht mache ich ja wieder einen Gedankensplitter daraus? Bereits vor ein paar Tagen habe ich das schon für einen Tofu-Scramble getan.

Den Kuchen haben wir mal einfach auf den Tisch zu den anderen Kuchen gestellt, lediglich darauf hingewiesen, welche Allergene enthalten sind und nicht verraten, dass dieser Kuchen rein pflanzlich daherkommt.

Auf dem Heimweg entdeckte ich im Scheinwerferlicht fünf wunderbare Pilze. An dieser Stelle waren wir schon im Tageslicht vorbei geschlendert und hatten sie nicht gesehen.

Nachts gegen 22 Uhr am Straßenrand.

Mein Sonntag war geprägt von Hausarbeit, Training und der Dankbarkeit, die ich diese Woche gespürt habe. 

Wir lesen uns...

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