![]() |
| Dieses Bild entstand am Mittwochmorgen im Friedenspark. |
Montag: KW 42/2026 Ich hatte das Glück gut sechs Stunden auf Arbeit draußen zu verbringen. Ich habe mit Kindern die ersten Meisenknödel aufgehangen und die wurden schon von einigen Vögeln gespottet. Das war ein guter Einstieg in die Woche. Am Abend habe ich noch einen "Gedankensplitter..." geschrieben, den du am Ende dieses Blogpost findest. Bei den kühlen Temperaturen kann die Hitze des Sommers schnell in Vergessenheit geraten.
Dienstag: Gestern haben wir Vogelfutter in der Kita an Büschen und Bäumen aufgehangen. Ich habe darauf geachtet dass die Vögel Vorrang haben. Normalerweise hängen viele Menschen die Futzerstellen dort auf, wo sich Vögel wunderbar beobachten lassen. Ich habe das auxh schon so gemacht. Diesmal haben wir versucht zu schauen, wo sich die unterschiedlichen Vögel bewegen und genau an diesen Stellen das Futter plaziert.
![]() |
| Storytelling ist nicht nur eine Routine in der Wildnispädagogik. Das war mein sechzehnter Kurs bei www.wald-lernen.de |
Mittwoch: Die Rabenkrähen freuen sich über ihren Snack und kommen wirklich bis auf zwei Meter an uns heran. Das ist für uns alle ein Highlight. Allerdings darf ich in der Einrichtung nicht fotografieren und so bleiben die Bilder in meinem Kopf. Es ist schön zu sehen, wie die unterschiedlichen Tiere mit ihren unterschiedlichen Charakteren hier agieren.
Natürlich haben wir auch geschaut, ob die kleineren Vögel unser Futter annehmen. An einer Stelle sind es zwei Rotkehlchen. An anderer Stelle sind es die Kohlmeisen.
Donnerstag: Auch heute war ich wieder sechs Stunden draußen. Die Rabenkrähen waren heute den Vormittag über da, um ihren Erdnuss-Snack abzustauben. Momentan sind es drei Vögel, die von einander unterscheiden kann. Passend dazu gab es auch von Wildniswind einen kleinen Onlinekurs über Rabenvögel.
Freitag: Auf Arbeit hatte ich wieder das Glück, die gesamte Zeit draußen verbringen zu können. Für den letzten Arbeitstag vor meinen Urlaub, war das auch gleich ein guter Einstieg ins Wochenende.
Auch wenn wir erst heute in der Dämmerung angekommen sind - die Herbst-Wochenenden im Hexenhäuschen sind mir die liebsten. Ich hatte ja schon geschrieben, dass wir keine Heizung und keinen Strom haben. Für den Fall der Fälle haben wir unsere Schlafsäcke dabei und Wärmeflaschen gibts auch.
Samstag: Wach werden. Langsam und Stück für Stück. Das Wetter bleibt grau und so ist es etwas schwieriger mit dem munter werden. Ich fülle erstmal die selbstgebastelten Vogelfuttersilos nit Sonnenblumenkernen auf. Der Tag hatte für uns Regen satt geplant. Auch gut! Dann eben lesen, Essen kochen, Tee trinken, aus dem Fenster schauen und immer wieder die Amerikanischen Kieferwanzen aus dem Haus schmeißen. Meine Lektüre für den Tag: Peter Wohlleben "Gebrauchsanweisung für den Wald".
Sonntag: Tag 2 im Hexenhäuschen. Aufstehen und Frühstück machen. Scrambled Tofu ist ein Seegen für alle, die früher gerne Rührei gegessen haben. Während des Frühstücks beobachten wir draußen vorm Fenster die verschiedenen Meisenarten.
Nach dem wir das Hexenhäuschen gereinigt hatten, hieß es Abschied nehmen. Vor der Heimfahrt ging es noch fürs Wandering in unseren Pilzwald. Vorsorglich hatte ich einen kleinen Korb und mein Taschenmesser mitgenommen.
Waldtag:
![]() |
| Unsere direkten Nachbarinnen. Ins Hexenhäuschen würde ich, wenn es mir gehören würde, dauerhaft einziehen. |
![]() |
| Ich kann mich an dieser Stelle nicht satt sehen. Wenn ich einen ausgebauten Bauwagen hätte, dann würde dieser hier irgendwo stehen. |
![]() |
| Diese Wege bin ich in den letzten Jahren wirklich oft gegangen und es wird mir nicht langweilig dabei. |
![]() |
| Täublinge, wie dieser Frauentäubling, sind wirklich wunderschön anzuschauen. |
![]() |
| Der Wald ist voll mit den Fruchtkörpern der Pilze. |
![]() |
| Die Narben der Vergangenheit. In unserem Streifgebiet wurde früher das Harz von Kiefern geerntet. |
Gedankensplitter - Das Mikroklima vor unserer Haustür
Wenn ich morgens durch den Nebel im Friedenspark laufe, den Rufen des Buntspechts folge oder am Wegrand Spitzwegerich für meine Kartoffelsuppe sammle, fühlt sich die Natur oft wie eine Ruheoase an. In der Wildnispädagogik nutzen wir Kernroutinen wie die Sitzplatzroutine, um genau diese feine Aufmerksamkeit zu schulen. Doch je tiefer man im Rahmen von Weiterbildungen in das Basiswissen zum Waldschutz eintaucht, desto klarer sieht man die unsichtbaren, bedrohten Fäden. Ein gesunder Wald ist ein hochkomplexes Schutzsystem – und wir sind gerade dabei, seine wichtigsten Schutzfunktionen im Rekordtempo zu schwächen.
26 Tage über 30 Grad: Wenn Ökosysteme (und Schienen) fiebern
Klimaschutz ist kein abstraktes Zukunftsszenario. Wenn ich in den vergangenen Wochen meine persönlichen Erlebnisse in Frankreich und hier in Leipzig dokumentiert habe, wird das Ausmaß durch die offiziellen Daten der Messstationen nur noch unterstrichen: Insgesamt gab es in diesem Jahr bei uns in Leipzig bereits 26 Hitzetage. Damit liegen wir massiv über dem langjährigen Schnitt. Der absolute Peak wurde am 27. Juni an der Station Leipzig-Holzhausen gemessen – mit einem historischen Spitzenwert von exakt 40,0 °C.
Und dieses Datum sitzt bei uns allen im Kopf fest. Erinnert ihr euch noch daran, als im Juni plötzlich gar nichts mehr ging? Es war keine klassische Demo, die den ÖPNV in Leipzig für gut eine Woche blockiert hat. Es war die Hitze selbst. Bei fast 41 Grad schmolz die Fugengussmasse aus den Schienen und verklebte das gesamte Straßenbahnnetz. Das System kollabierte, die Bahnen blieben in den Depots und wir standen alle an den Haltestellen. Genauer kann uns die Natur den Spiegel kaum vorhalten: Die Klimakrise ist längst hier und blockiert ganz real unseren Alltag.
Tage über der 30 °C-Marke bedeuten aber auch für das Ökosystem Wald massiven Stress. Klar, es gibt die magischen Momente: Wenn die ersten Hitzetage kommen und sich die Feuchtigkeit in der Abendluft staut, beginnt im Unterholz der Tanz der Glühwürmchen. Ein Grund, warum ich auch spätabends noch rausgehe. Aber fachlich betrachtet sehen wir eine akute Gefährdung: Die Verdunstung schießt in die Höhe, während die Grundwasserpegel sinken. Der Wald gerät in dauerhaften Trockenstress.
Genau deshalb ist die Entscheidung für eine pflanzliche Ernährung der logischste und direkteste Hebel, den wir täglich ansetzen können. Wenn ich schreibe: „Weil Freunde kein Essen sind!“, dann hat das neben der ethischen Komponente eine knallharte ökologische CO₂- und Flächenbilanz. Die Tiere finden es super – und das Klima und der Wald erst recht.
Urbane Kühlung: Warum wir um das Capa-Wäldchen kämpfen
Waldschutz findet nicht nur in unberührten Nationalparks statt, sondern direkt im urbanen Raum. Und genau hier muss die ruhige Naturverbindung manchmal laut werden. Das Capa-Wäldchen hat uns in den letzten Monaten nicht ohne Grund gleich zweimal intensiv beschäftigt.
Aus ökologischer Sicht erfüllen solche innerstädtischen Waldbestände eine fundamentale Funktion: Sie brechen die sogenannten urbanen Hitzeinseln (Urban Heat Islands). Während sich Asphalt und Beton tagsüber extrem aufheizen und nachts die Wärme speichern, wirken Flächen wie das Capa-Wäldchen als natürliche Klimaanlagen durch Schattenwurf und Verdunstungskälte. Ein solches Wäldchen für Bauprojekte zu opfern oder zu verkaufen, ist angesichts des Schienenchaos und steigender Hitzetage absolut fahrlässig.
Deshalb führt mich mein Weg als Naturmentor momentan nicht nur zur Spurensuche in den Auwald, sondern auch auf die Straße. Zu den Demos nach Markkleeberg. Am Hafen Zöbigker am Cospudener See will die Stadt tatsächlich 1,3 Hektar gesunden Wald für den Ausbau eines Großraumparkplatzes an der Hafenstraße roden – und das, obwohl die bestehenden Stellflächen die meiste Zeit des Jahres leer stehen. Bäume fällen für noch mehr Asphalt und Autos, während uns im Sommer die Stadt wegglüht? Das ist genau der falsche Weg.
Waldschutz und Klimaschutz sind eins. Wir können das eine nicht ohne das andere denken.
Wir lesen uns...









Kommentare
Kommentar veröffentlichen