Montag: Die 40 Minuten am Morgen tun mir gut. Ich höre einen Buntspecht und konzentriert folge ich dem Ruf. Meine Belohnung: Ich darf ihn auch beobachten. Welch ein Glück. Neben Rabenkrähen und Kohlmeisen entdecke ich noch einen Eichelhäher. Das Licht bricht sich durch den Nebel und hellt meine Stimmung auf. Nebel und Sonne ist eine wunderbare Kombination. Ja, ich liebe den Herbst. Heute startet die Wildniswind Woche drei und och werde mir auf dem Weg zur Inklusionsassistenten-Weiterbildung noch einmal die Skripte durchlesen. Diese Woche geht es um einen Baum.
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| Manchmal klappt es mit dem richtigen Moment. |
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| Macht es wie das Hirtentäschel - verschenkt dutzende Herzen ❤️ |
Dienstag: Im Garten der Kita konnte ich heute sehr entspannt den Kohlmeisen lauschen und habe mich wirklich sehr darüber gefreut, die kleinen Piepsies beobachten zu dürfen. Ganz nebenbei habe ich Schnüre gegrillt. Das ist eine sehr beruhigende Beschäftigung.
Mittwoch: Ich habe noch Schnüre und mache mich daran Makramee für Vogelfutter zu knoten. Das ist so eine beruhigende Tätigkeit.
Donnerstag: Am drühen Nachmitta fängt es an heftig zu Regnen. Trotzdem sitze ich interm Dach einfach draußen rum. Ich zähle die Blasen in der Pfütze und bemerkte einen Eichelhäher. Dieser fand das Wetter auch nicht so prickelnd und versteckte ich im Gaten der Kita.
Freitag: Spontaner Arbeitsausfall zu Freitag fühlt sich gut an. Das lässt sich aushalten.
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| Wenn ich an meinem Sitzplatz bon, fallen mir oft die spannendsten Themen für den Blog ein. |
Gedankensplitter...
Vom Suchen, Finden und dem Verschenken von Herzen
Das Hittentäschel ging mir den Rest der Woche nicht aus dem Kopf. Einfach Herzen verschenken?
Und eine Frage ploppte in mir auf. Es hat viel mit einer Frage zu tun, die mir in Gesprächen oder über Social Media immer wieder begegnet: Ist ein konsequentes veganes Leben eigentlich dogmatisch?
Da ich mich seit 2016 vegan ernähre, schon in den 90ern meine ersten Phasen hatte und seit 2020 absolut konsequent so lebe, habe ich die Entwicklung dieser Bewegung über drei Jahrzehnte miterlebt. Wenn man die Debatten heute auf Instagram oder TikTok sieht, könnte man tatsächlich meinen: Das ist ein starres, lautes Dogma geworden. Aber ist es das wirklich?
Der „Mock Duck“-Dino, Seitan-Säcken und die eine Zigarette
Wenn ich an die 90er und 2000er Jahre zurückdenke, war Veganismus noch ein subkulturelles Ding. Damals, in der Punk- und Hardcore-Szene, ging es um den großen politischen Systemkampf – die Befreiung von Mensch und Tier. Wir blieben meistens in unserer eigenen schützenden "Bubble".
Kulinarisch war das damals eine ganz andere Welt. Erinnert sich noch jemand an Mock Duck aus der Dose? Das Faszinierende ist ja: Das Zeug gibt es heute immer noch in vielen Asialäden – die Dosen sehen quasi unverändert aus! Damals war das neben Tofu (den man oft noch ganz frisch aus Eimern gekauft hat) und den klassischen Sojachunks eine der wenigen Optionen, wenn man etwas Pfannenfertiges wollte. Ich fand es ehrlich gesagt ziemlich schrecklich – diese schwammige, wässrige Konsistenz mit der nachempfundenen „Geflügelhaut“ war extrem gewöhnungsbedürftig.
Als ich von 2005 bis 2009 im Café des Conne Island am Herd stand, gab es noch keine fertigen veganen Burger-Patties im Kühlregal. Wir haben den Weizenkleber (Seitan) im 25-kg-Sack im Großhandel bestellt. Das war echtes Handwerk. Wir haben Sojachunks "stundenlang" mariniert und mit Hefeflocken experimentiert.
Und genau wegen dieser langen Historie kenne ich eben auch die andere Seite. Die Brüche. Den Weg zur absoluten Konsequenz - vegan leben - im Jahr 2020 bin ich nicht ohne Stolpersteine gegangen. Da gab es in den Jahren davor dieses „eine Steak, die eine Bratwurst, der eine Döner“ – genau wie bei einem Raucher, der eigentlich aufhören will, aber nach Monaten plötzlich schwach wird und „die eine Kippe“ raucht. Die alten Gewohnheiten und die kognitive Dissonanz verschwinden manchmal nicht mit einem einzigen Knall, besonders wenn man den Geschmack von Fleisch eigentlich immer geliebt hat.
Gerade weil ich diese Zeiten und meine eigenen Rückfälle kenne, weiß ich heute: Veganismus darf kein unfehlbares, fehlerfreies Dogma sein. Es ist ein Weg.
Aber warum wirkt Veganismus heute oft so „dogmatisch“? Durch Social-Media-Algorithmen werden heute oft nur noch die lautesten, konfrontativsten Botschaften geteilt. Was früher eine reflektierte Diskussion im alternativen Kulturzentrum war, ist heute ein 15-sekündiges Video mit moralischem Zeigefinger. Die breite Masse fühlt sich dadurch im eigenen Verhalten ertappt und drängt die pflanzliche Lebensweise schnell in die Ecke einer „Ersatzreligion“.
Der Holzhammer der kognitiven Dissonanz
Dabei vergessen wir oft den Kern. Wenn ich ganz tief in meine Biografie schaue, gab es schon als Kind Momente, in denen ich kein Fleisch essen wollte – einfach, weil ich die Schlachtung von Huhn, Hase und Schwein direkt mitbekommen habe. Meine Eltern meinten damals, wie es in der Generation üblich war: „Ohne Fleisch geht es nicht.“
Das Verrückte war: Ich habe den Geschmack von Fleisch geliebt! Aber ich habe das Tierleid dahinter verabscheut. Diese kognitive Dissonanz hat bei mir als Kind des Öfteren mit der Wucht eines Holzhammers zugeschlagen.
Und genau hier liegt für mich die Antwort: Konsequenz ist kein Dogma.
Als ich 2020 beschlossen habe, den Schnitt ganz sauber zu ziehen, war das kein blindes Unterwerfen unter ein starres Regelwerk. Es war das Auflösen dieses jahrzehntelangen inneren Konflikts. Es war der Befreiungsschlag, um meine Handlungen endlich mit den Gefühlen in Einklang zu bringen, die ich schon als Kind an der Stalltür hatte.
Mein Fazit: Weniger Zeigefinger, mehr Herzen
Die Vegan Society definiert Veganismus als den Versuch, Tierausbeutung zu vermeiden – „soweit wie praktisch durchführbar“. Es geht um die Absicht, um Mitgefühl und das Reduzieren von Leid, nicht um eine unerreichbare, laborreine Perfektion.
Wenn wir Veganismus vermitteln wollen, sollten wir den Social-Media-Lärm weglassen. Wir müssen niemanden beschämen. Ich verstehe jeden, der Fleisch mag – ich mochte es auch! Und die Entwicklung der Fleischalternativen in den letzten 5–6 Jahren macht es uns heute so leicht wie nie zuvor, umzusteigen, ohne etwas zu vermissen. Niemand muss heute mehr 25-Kilo-Säcke Seitan kneten.
Für mich ist der Veganismus wie das Naturmentoring oder das Knüpfen der Vogelfutternetze: Es ist ein achtsames Verbinden mit der Welt um uns herum. Es geht nicht um Verbote, sondern um den Gewinn an Empathie.
Machen wir es also wie das Hirtentäschel im Herbst: Verschenken wir lieber ein paar Herzen und Verständnis, statt mit dem dogmatischen Zeigefinger zu fuchteln. Konsequent in der eigenen Haltung, aber friedlich und einladend nach außen.
Wie seht ihr das? Habt ihr im Alltag auch schon erlebt, dass Lebensentscheidungen viel zu schnell als „dogmatisch“ abgestempelt werden?
Sonntag: Waldtag. Ein paar Stunden aus der Stadt rauskommen und den Alltag ablegen. Sich treiben lassen. Für die acht Kilometer haben wir gute vier Stunden gebraucht. Immer wieder sind wir vom Weg aus in den Wald gegangen, haben uns Zeit genommen und uns hingesetzt. Wir gatten Kaffee und Tee sowie ein paar belegte Brote und etwas frisches Gemüse dabei. Dem Herbst zu lauschen war eine Wohltat.
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| So einfach kann es sein. |
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| Pilze. Immer wieder Pilze. |
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| Kleine Entdeckungen am Wegesrand. |
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| Das Wetter war wechselhaft und hatte von Sonnenschein, über kühle Böen und Regen alles für uns parat. |
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| Einfach staunen. |
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| In Belgershain gibt's in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, Gleis 2 - gleich rechts das erste Haus, diesen wunderbaren Schrank mit Kunstgegenständen. |
Bis zum nächsten Mal im Wald oder im Park. Wir lesen uns...









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